Im Jahre 1929, am 14. März, wurde von dem Bauern Otto Wolf I und 47 Essenheimer Bauern und Landwirte mit ihren 56 Pferden, der "Örtliche Pferdeversicherungsverein" ins Leben gerufen.
Eine Art Lebensversicherung für das Pferd.

Anlass für die Gründung dieser "Notgemeinschaft" war, einen finanziellen Grundstock zu bilden, und zwar für den Fall, dass der "Arbeitskollege" Pferd, durch Ableben oder Unbrauchbarkeit, für den Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft nicht mehr zur Verfügung stand und ein neues Pferd angeschafft werden musste.

Otto Wolf I

Die Mitglieder zahlten in die "Versicherung auf Gegenseitigkeit" eine wesentlich geringere Prämie wie bei einer staatlichen Versicherung. Bei Unbrauchbarkeit oder Tod des Pferdes wurde dem Mitglied eine festgesetzte Summe aus der Versicherung gezahlt.

Mit dieser Versicherungssumme wurde eine Anzahlung auf ein neues Pferd geleistet und der Händler lieferte daraufhin das Pferd auch wenn es etwas teurer war, denn die Arbeiten auf dem Acker mußten weitergehen.

Die Höhe der Versicherungssumme und der -prämie ergab sich aus der Bewertung der Pferde. Dafür wurden sie in der Regel einmal im Jahr, und zwar zwischen Weihnachten und Neujahr, dem Vorstand der Versicherung in der Schulstraße in Essenheim vorgeführt.
Unter Berücksichtigung des Alters wurde der Allgemeinzustand des Pferdes begutachtet, ob der Besitzer seiner Sorgfaltspflicht nachkam. Die Vernachlässigung des Pferdes konnte zu einem Ausschluss aus der Versicherung führen.
Viele schaulustige Essenheimer Bürger fanden sich zu dieser Attraktion in der Schulstraße ein.

Seit der Gründung des Vereins gab es zunächst eine stete Aufwärtsentwicklung, die nur während der Kriegsjahre unterbrochen wurde. 1956 hatte der Verein 92 Mitglieder mit insgesamt 108 versicherten Pferden.

Bis zum Ende der 50er Jahre war jeder Landwirt auf das Pferd angewiesen.

Es wurde für alle landwirtschaft-
lichen Arbeiten eingesetzt.
(ein eingespieltes Team)
(Frauen beim Gabenbinden)
(die Gaben werden zum Dreschen gefahren)
(nach getaner Arbeit)

Besonders im Weinberg wurde das Pferd gebraucht.

Dann verdrängten Maschinen, Mähdrescher und Traktoren langsam aber sicher den treuen Vierbeiner.
Diese Entwicklung wurde begünstigt durch die Flurbe-
reinigung und die Umlegung des Weinberggebietes.

Die neuen großen Flurstücke lassen sich gut mit Maschinen bearbeiten und die neuen Weinberge wurden so breit angelegt, dass man sie mit einem Traktor, einem Holder oder einer Fräse ohne Schwierigkeiten bearbeiten kann.

Der ursprüngliche Gründungsanlass war hinfällig geworden. Pferde wurden in erster Linie nur noch im Sport oder in der Freizeit eingesetzt. Im Jahre 1979 war die Zahl der versicherten Pferde auf 7 gesunken.
Dann fanden einige Essenheimer Sport- und Freitzeitreiter Gefallen an diesem Traditionsverein und versicherten ihre Pferde.


ein Teil der Mitglieder stellt sich vor

Derzeit hat der Vorstand wieder 22 Pferde zu begutachten. Dies geschieht nach wie vor zwischen Weihnachten und Neujahr. Alle zwei Jahre im Wechsel werden die Pferde in ihren Ställen besichtigt oder in der Schulstraße unter den Augen der Essenheimer Bürger vorgeführt.

Vorführung in der Schulstraße
Dank der vielen neuen Mitglieder war es möglich, dass der "Örtliche Pferdeversicherungsverein Essenheim" im Jahre 2004 sein 75jähriges Bestehen gebührend feiern konnte.

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©by C.Rieck